RIPPELMARKEN werbung und markenkommunikation
03. August 2011

Straßenmusik und Marketing

Ich bin eigentlich kein großer Freund von Straßenmusik, da ich meine, dass unsere Welt schon mehr Lärmzumutungen bietet als uns gut tut. Mit Schrecken denke ich an jene 12- bis 15-köpfigen Inkatruppen zurück, die vor allem in den 80er und 90er Jahren manche Fußgängerzonen zu akustischen Folterstrecken machten. Kürzlich hab ich doch mal eine Ausnahme gemacht und mich selbst an der musikalischen Umweltverschmutzung beteiligt. Dabei stand für mich gar nicht so sehr die Musik im Vordergrund, sondern eine Kernfrage des Marketings.

Gegenstand des Selbstversuchs war eine kleine Wette, bei der es um die Frage ging, was mehr Geld einbringt: die Originalität oder die Qualität. Ich setzte auf die Originalität, mein Wettpartner auf die Qualität. Herausfinden wollten wir es wie gesagt am Beispiel Straßenmusik. Wir machten uns auf den Weg in die Fußgängerzone einer nahe gelegenen westdeutschen Großstadt. Ich mich mit meinem Dulcimer (einer hauptsächlich in den USA gespielten, recht einfachen diatonischen Griffbrettzither, die in Deutschland allerdings kaum bekannt ist), er mit seiner Gitarre, auf der er ein wahrer Virtuose ist. Wir platzierten uns in hundert Metern Entfernung voneinander an gleich guten Standorten und spielten rund anderthalb Stunden. Am Ende der anderthalb Stunden hatte ich den fünffachen Betrag im Hut - und dass, obwohl mein Wettpartner ganz sicher der fähigere Musiker ist und der Dulcimer eben nur ein einfaches Instrument mit begrenztem Ausdrucksspektrum ist. Aber während die Gitarre nahezu jedem bekannt ist und viele von sich sagen, dass sie "auch Gitarre spielen" (und dabei grauenhaften Schrummeldilettantismus und gekonntes Profispiel über einen Kamm scheren), ist der Dulcimer hierzulande eben nahezu niemandem bekannt. Folge: Alle denken, dass dieser Dulcimer etwas absolut Besonderes ist und folglich der Dulcimerspieler dem Gitarristen haushoch überlegen sein und daher auch mehr Geld bekommen müsse. Originalität sticht!

Damit sind wir mitten im Zentrum der Kommunikationspsychologie angelangt. Mehr davon? Rufen Sie uns an. Auf Wunsch gibt es ein kleines Dulcimer-Konzert gratis dazu.



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